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    Nominierungen und Preisträger 2017

    Nominierungen 2017

    Im Jahr 2017 waren insgesamt 15 Autoren für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die Kritikerjury nominierte jeweils fünf Autoren bzw. Übersetzer in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017:

    Nominierte in der Kategorie Belletristik

    • Lukas Bärfuss: „Hagard“ (Wallstein Verlag)
    • Brigitte Kronauer: „Der Scheik von Aachen“ (Klett-Cotta)
    • Steffen Popp: „118“ (Kookbooks)
    • Anne Weber: „Kirio“ (S. Fischer)
    • Natascha Wodin: „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt)

    Nominierte in der Kategorie Sachbuch/Essayistik

    • Leonhard Horowski: „Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts“ (Rowohlt)
    • Klaus Reichert: „Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen“ (S. Fischer)
    • Jörg Später: „Siegfried Kracauer. Eine Biographie“ (Suhrkamp)
    • Barbara Stollberg-Rilinger: „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit” (C.H.Beck)
    • Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ (Klett-Cotta)

    Nominierte in der Kategorie Übersetzung

    • Holger Fock, Sabine Müller: übersetzten aus dem Französischen „Kompass" von Mathias Énard (Hanser Berlin)
    • Gregor Hens: übersetzte aus dem Englischen „Shark“ von Will Self (Hoffmann und Campe)
    • Gabriele Leupold: übersetzte aus dem Russischen „Die Baugrube“ von Andrej Platonow (Suhrkamp)
    • Eva Lüdi Kong: übersetzte aus dem Chinesischen „Die Reise in den Westen“ (Reclam)
    • Petra Strien: übersetzte aus dem Spanischen „Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda“ von Miguel de Cervantes (Die Andere Bibliothek)

    Preisträger 2017

    Preis der Leipziger Buchmesse 2017 vergeben
    Natascha Wodin, Eva Lüdi Kong und Barbara Stollberg-Rilinger sind die Preisträgerinnen

    Kategorie Beletristik:

    Natascha Wodin: "Sie kam aus Mariupol"
    Rowohlt Verlag)

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    Über das Buch

    Natascha Wodin erzählt die Geschichte ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte und in die Fänge zweier Diktaturen geriet: Als junge Frau erlebt sie den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror, wird 1944 von den Nazis als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt, überlebt die Zwangsarbeit und zerbricht daran.

    Nach intensiven Recherchen zeigt Natascha Wodin in ihrem Buch über ihre Mutter historisch aufschlussreich, fesselnd und plastisch, wie das Zeitgeschehen in das Leben einzelner eingreift und bringt dem Leser ein Schicksal nahe, das beispielhaft für Millionen andere stehen kann.

    Die Begründung der Jury

    In „Sie kam aus Mariupol“ forscht Natascha Wodin nach den Lebensspuren ihrer ukrainischen Mutter Jewgenia - und stößt auf das Schicksal ihrer Tante Lidia. Während die Mutter 1943 mit ihrem russischen Mann als Zwangsarbeiterin in ein Leipziger Montagewerk für Kriegsflugzeuge verschleppt wurde, kam die Tante zehn Jahre zuvor in ein sowjetisches Straflager. Das ist die ungeheuerliche Parallelität, die die Familiengeschichte zerteilt. „Sie kam aus Mariupol“ ist nicht aus einem Guss, weil es angesichts der Brüche des 20. Jahrhunderts gar nicht aus einem Guss sein kann. In vier hart gefügten Teilen treibt es aus unterschiedlichen Richtungen seine Stollen durch ein Massiv kollektiver und individueller Gewalt. Dieses Buch trägt auch ausdrücklich nicht die Bezeichnung Roman. Doch an der Grenze von Fiktion und Nichtfiktion, wo es angesiedelt ist, betreibt es autobiografisches Schreiben mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und romanhaftes Schreiben auf der Grundlage von Lidias Tagebüchern. In diesem genreüberschreitenden Sinn ist es unerhört zeitgenössisch. Erinnerungsarbeit als Widerstand gegen das eigene Zerbrechen: Die Rettung, die sich Natascha Wodin davon erhofft, bleibt aus. Aber die Tapferkeit, mit der sie den Dämonen ins Gesicht sieht, die sie bannen muss, hat auch etwas ungemein Ermutigendes. Davon kann sich jeder Leser von „Sie kam aus Mariupol“ überzeugen.

    Autorin

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    Copyright Susanne Schleyer/autorenarchiv.de

    Natascha Wodin, 1945 in Fürth geboren, ist seit 1981 freie Schriftstellerin und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt für Sie kam aus Mariupol mit dem Alfred-Döblin-Preis 2015. In ihren Werken setzt Natascha Wodin sich vor allem mit dem Thema der Entwurzelung, Fremdheit und Ortlosigkeit auseinander. Zuletzt erschienen sind Nachtgeschwister (Kunstmann, 2009) und Alter, fremdes Land (Jung und Jung, 2014).





    Kategorie Sachbuch/Essayistik:

    Barbara Stollberg-Rilinger: "Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit"
    (Verlag C.H.Beck)

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    Über das Buch

    Eine "Weiberherrschaft" war im 18. Jahrhundert an sich nicht ungewöhnlich – neu aber war, dass Kaiserin Maria Theresia das Geschäft des Regierens als ihre persönliche Aufgabe ernst nahm. Damit unterschied sie sich von vielen europäischen Monarchen, die lieber ihren Neigungen nachgingen und die Amtsgeschäfte anderen überließen. Gestützt auf zahllose, mitunter kaum bekannte Quellen lässt Barbara Stollberg-Rilinger in ihrer bahnbrechenden Biographie die Verhältnisse am Habsburger Hof lebendig werden, ordnet die Person in die Traditionen ihrer Zeit ein und reflektiert dabei das Geschlecht ihrer „Heldin“ immer mit, ohne es zum Zentrum zu machen.

    Die Begründung der Jury

    Barbara Stollberg-Rilingers große Biographie über die Habsburgerin ist tatsächlich bahnbrechend: Zum einen rückt sie eine der bedeutenden Gestalten in der europäischen Geschichte endlich in das ihr gebührende Licht. Und dieses Licht ist postmodern, so wie sie es selber formuliert. Sie sucht nicht die geheime Wurzel, den Generalschlüssel zur Person, so wie es viele Autoren oft genug versuchen und sich dabei selber täuschen. Sie beschreibt stattdessen dieses Leben als Inszenierung eines Spiels in vielen verschiedenen, aber gleichzeitigen Rollen. Natürlich kommt auch die Liebende vor, die Frau, die Mutter von 16 Kindern, Wut, Enttäuschung, Tränen. Aber Barbara Stollberg-Rilinger stützt sich nie auf die morsche Krücke der Psychologisierung. Es gelingt der Autorin, eine ganze Epoche durch diese Gestalt zu erschließen. Unzählige Quellen werden bezwingend von ihr arrangiert und gedeutet, Barbara Stollberg-Rilingers Stil ist glänzend, von dezenter Eleganz. Maria Theresia ist keine Angela Merkel des 18. Jahrhunderts. Aber diese Biographie schärft dennoch unseren Blick auf Rituale und Zeremonien heute und deren Logiken. Die symbolische Ordnung und die Welt der Zeichen in unserer Gegenwart des 21. Jahrhunderts: Sie sieht man nach der Lektüre präziser, unbestechlicher gleichsam in einem anderen Licht. Mit dem Begriff „Meisterwerk“ sollte man ja lieber sorgsam haushalten. Aber manchmal wäre es ein sachlicher Irrtum, das M-Wort nicht auszusprechen. Also: Diese Biographie ist ein Meisterinnenwerk.

    Autor

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    Copyright Rechte ungeklaert

    Barbara Stollberg-Rilinger, 1955 geboren, lehrt als Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster. Sie wurde für ihre Forschung mehrmals ausgezeichnet, u.a. mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Sie veröffentlichte Monographien und Studienbücher, zuletzt Rituale (Campus Verlag, 2013) und Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches (C.H. Beck 2013).





    Kategorie Übersetzung:

    Eva Lüdi Kong: übersetzte aus dem Chinesischen: Ungewisser Verfasser: Die Reise in den Westen
    (Reclam Verlag)

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    Über das Buch

    In Die Reise in den Westen wird von vier Pilgern erzählt, die sich auf Geheiß des Kaisers auf den langen und gefahrvollen Weg in den Westen machen, um Buddha zu huldigen: der fromme Priester Tripitaka und seine Begleiter, Affenkönig Sun Wukong, Eber Bajie und der grässlich anzuschauende Sandmönch. Die drei haben einst im Himmel Missfallen erregt und wurden auf die Erde verbannt, um sich dort zu bewähren. Diese Geschichte um die beliebten chinesischen Legenden und Mythen kennt in ihrem Ursprungsland jedes Kind, doch wurde der Roman bisher nie vollständig ins Deutsche übersetzt.

    Die Begründung der Jury

    „Die Reise in den Westen“ ist das wohl bedeutendste, in jedem Fall das populärste Buch der chinesischen Literatur. Bis heute lebt es fort in Mangas, Filmen, Computerspielen. Wann das Buch entstand, wer sein Autor ist, das weiß man nicht; in seiner heutigen Fassung ist es rund 400 Jahre alt. Dieses Buch hat es bislang auf Deutsch nicht gegeben, höchstens in kleineren Auszügen. Dass es nun in seiner ganzen Fülle und Vielfalt vorliegt, ist das Verdienst von Eva Lüdi Kong. Es war ein Werk der Liebe, das viele Jahre in Anspruch nahm. Sie hat es in ein modernes, lebendiges Deutsch gebracht; aber sie hat noch mehr getan als das. Die vielen uns Europäern unverständlichen Aspekte hat sie durch einen umfangreichen Apparat erschlossen und den Kosmos der chinesischen Kultur zugänglich gemacht, mit all seinen konfuzianischen, buddhistischen, daoistischen, alchemistischen Traditionen. Frau Lüdi Kong hat 25 Jahre in China gelebt, und ohne ihre profunden Kenntnisse, Geduld und Begeisterung hätte dieses außerordentliche Projekt nicht gelingen können. Nicht nur von einer Sprache in die andere hat sie übersetzt, sondern einen Abgrund der Zeiten und Denkungsarten überbrückt, treu dem wahren Begriff der Weltliteratur als einer Literatur aus der ganzen Welt für die ganze Welt.

    Autor

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    Copyright Yvonne Böhler

    Eva Lüdi Kong ist 1968 in Biel/Bienne in der Schweiz geboren. Bereits während ihres Studiums der Sinologie in Zürich sowie der Chinesischen Kalligrafie, der Kunst und der Klassischen Chinesischen Literatur in Hangzhou war sie als Sprachlehrerin, Dolmetscherin und Übersetzerin tätig. Sie lebte 25 Jahre in China, arbeitete in Lehre und Forschung und widmet sich bis heute vorrangig der Übersetzung und Kulturvermittlung.

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