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    Nominierungen und Preisträger 2018

    Nominierungen 2018

    Im Jahr 2018 waren insgesamt 16 Autoren für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die Kritikerjury nominierte jeweils fünf Autoren bzw. Übersetzer in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018:

    Nominierte in der Kategorie Belletristik

    • Isabel Fargo Cole: "Die grüne Grenze" (Edition Nautilus)
    • Anja Kampmann: "Wie hoch die Wasser steigen" (Carl Hanser Verlag)
    • Esther Kinsky: "Hain. Geländeroman" (Suhrkamp Verlag)
    • Georg Klein: "Miakro" (Rowohlt Verlag)
    • Matthias Senkel: "Dunkle Zahlen" (Matthes & Seitz Berlin)

    Nominierte in der Kategorie Sachbuch/Essayistik

    • Martin Geck:"Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum" (Siedler Verlag)
    • Gerd Koenen: "Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus" (Verlag C.H. Beck)
    • Andreas Reckwitz: "Die Gesellschaft der Singularitäten" (Suhrkamp Verlag)
    • Bernd Roeck: "Der Morgen der Welt" (Verlag C. H. Beck)
    • Karl Schlögel: "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt" (Verlag C. H. Beck)

    Nominierte in der Kategorie Übersetzung

    • Robin Detje: übersetzte aus dem Englischen: "Buch der Zahlen" von Joshua Cohen (Schöffling & Co.)
    • Olga Radetzkaja: übersetzte aus dem Russischen: "Sentimentale Reise" von Viktor Schklowskij (Die Andere Bibliothek)
    • Sabine Stöhr und Juri Durkot: übersetzten aus dem Ukrainischen: "Internat" von Serhij Zhadan (Suhrkamp Verlag)
    • Michael Walter: übersetzte aus dem Englischen: "Werkausgabe in 3 Bänden" von Laurence Sterne (Verlag Galiani Berlin)
    • Ernest Wichner: übersetzte aus dem Rumänischen: "Oxenberg und Bernstein" von Cătălín Mihuleac (Paul Zsolnay Verlag)

    Preisträger 2018

    Preis der Leipziger Buchmesse 2018 vergeben
    Esther Kinsky, Karl Schlögel sowie das Übersetzer-Duo Sabine Stöhr und Juri Durkot sind die Preisträger/innen

    Kategorie Belletristik:

    Esther Kinsky: "Hain. Geländeroman"
    (Suhrkamp Verlag)

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    Über das Buch

    Italienische Reisen eigener Art unternimmt die Ich-Erzählerin in Esther Kinskys Geländeroman, in dem Landschaftsmeditation, Kindheitserinnerungen und Trauer zusammenkommen. Nicht nach Rom, Florenz oder Siena zieht es sie, sondern in abseitige Landstriche – nach Olevano Romano etwa, eine Kleinstadt nordöstlich von Rom, oder in die Valli di Comacchio, die Lagunenlandschaft im Delta des Po. Zwischen diesen Geländeerkundungen führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in ihre Kindheit: Wie bruchstückhafte Filmsequenzen tauchen die Erinnerungen an zahlreiche Fahrten durch das Italien der 70er Jahre auf, dominiert von der Figur des Vaters.

    Die Begründung der Jury

    Was für ein stilles, kaum bewegtes, menschenarmes Buch. Seine Farben mangels ausreichender Sättigung vorwiegend im Graubereich. Und seine Ich-Erzählerin eine bloße Hülle, die sich am liebsten davonstehlen würde. Denn an ihr, einer Trauernden, die ihren Lebensgefährten verloren hat, nagt eine Leere, die sich mit der Leere der Umgebung paart. Und zugleich: Was für eine Schule der Wahrnehmung. In der Reizreduktion zeigt sich jedes noch so unscheinbare Detail mit geradezu übersinnlicher Genauigkeit; die Tonlosigkeit steigert sich zum Gesang der Dinge. Im Ähnlichen entdeckt sie das immer Andere. Man wird der unspektakulären Melodie dieses Buches und der rhythmischen Präzision seiner Sätze nur gerecht, wenn man es langsam liest: mit einer Geduld, die nichts erwartet, und gerade deshalb mit einem Staunen über die Fülle seiner Einzelheiten belohnt wird. Ausgerechnet an einem Tag wie diesem zu sagen, dass Esther Kinsky vielleicht kein Buch für jeden geschrieben hat, mag wie Selbstsabotage klingen. Doch es will das genaue Gegenteil. Denn wenn es an „Hain“ etwas besonders zu rühmen gilt, dann ist es der Versuch, einen Weltzugang zu schaffen, der so keiner anderen Kunst und keiner Wissenschaft gelingt.

    Autorin

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    Copyright: Heike Steinweg

    Esther Kinsky, 1956 in Engelskirchen geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Für ihr umfangreiches Werk, das Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen ebenso umfasst wie Lyrik, Essays und Erzählprosa, wurde sie vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der SWR-Bestenliste 2015 für ihren Roman Am Fluss (Matthes & Seitz, 2014) und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2016.





    Kategorie Sachbuch/Essayistik:

    Karl Schlögel: "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt"
    (Verlag C.H. Beck)

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    Über das Buch

    Der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel lädt hundert Jahre nach der Revolution von 1917 mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Er beschreibt eindrucksvoll die Objekte und Routinen des Lebens zu sowjetischen Zeiten und interessiert sich für die Paraden der Macht genauso wie für die Rituale des Alltags. Er erkundet die Weite des Eisenbahnlandes und die Enge der Gemeinschaftswohnung und stellt so die Sowjetunion als „Lebensform“ dar. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat die Sowjetunion ihre Spur hinterlassen.

    Die Begründung der Jury

    Karl Schlögels Buch „Das sowjetische Jahrhundert“ ist meisterhaft erzählte und zugleich denkbar originelle Geschichtsschreibung. Denn seine Vergegenwärtigung dieses seltsamen Gebildes namens Sowjetunion ist keine lineare Erzählung, vom Anfang 1917 bis zum Ende 1991. Sondern es ist ein Streifzug mit Panoramablick, Summe jahrzehntelanger Beschäftigung. Schlögel durchdringt die Tiefenschichten einer Epoche und entwickelt dabei starke sinnliche Anschaulichkeit. Dieses Buch ist ein sehr modernes Buch, geschrieben nach dem Ende aller großen Erzählungen, von einem Autor, der diese großen Erzählungen aber bestens kennt. Seine Paten sind keine Historiker, eher Walter Benjamin und Roland Barthes. Vielleicht aber ist letztlich Schlögels Ton das Außergewöhnlichste an diesem Buch: ohne Triumphalismus oder Nostalgie, dafür in einer heroisch-scharfsichtigen Melancholie, mit Sinn für Tragik. Darin ähnelt er einem der großen Historiker aus dem 19. Jahrhundert, der sich ebenso stark für Kunst und Sitten, weniger für die Haupt- und Staatsaktionen interessierte: der Schweizer Jacob Burckhardt, an dessen 200. Geburtstag in wenigen Wochen erinnert wird. So wie dieser hat auch Schlögel den Blick für das Individuelle und das Allgemeine, für den Einzelnen auf den großen Wellen des historischen Ozeans. Und wer es bislang noch nicht wusste, der kann es jetzt in diesem Werk bewundern: Der Sowjet-Archäologe Karl Schlögel ist eigentlich ein großer Schriftsteller. Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Schlögel.

    Autor

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    Copyright: Siemens-Stiftung

    Karl Schlögel, 1948 geboren, lehrte bis zu seiner Emeritierung Osteuropäische Geschichte, zuerst an der Universität Konstanz, seit 1995 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur sowjetischen und osteuropäischen Geschichte. 2016 erhielt er für sein Buch Terror und Traum. Moskau 1937 (Hanser, 2008) den Preis des Historischen Kollegs.





    Kategorie Übersetzung:

    Sabine Stöhr und Juri Durkot: übersetzten aus dem Ukrainischen: "Internat" von Serhij Zhadan
    (Suhrkamp Verlag)

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    Über das Buch

    Januar 2015, Donbass. Der junge Lehrer Pascha beobachtet, wie sich die Frontlinie seinem Zuhause nähert. Nun ist er gezwungen, diese Linie zu überschreiten, um seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat am anderen Ende der Stadt nach Hause zu holen. Durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammengebrochen ist, dauert einen ganzen Tag, der Heimweg wird zu einer Prüfung. In einer authentischen und schmerzvollen Sprache schildert Serhij Zhadan, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt. Seine Auseinandersetzung mit dem Krieg im Donbass findet mit seinem Roman Internat ihren vorläufigen Höhepunkt.

    Die Begründung der Jury

    Es ist Winter, ein Winter mit Schnee, der „blau-rosa“ aussieht, einem Abendhimmel, der „aus tiefen Poren dunkelt“, während über der Bahnstation ein „feuchter Signalton“ hängt und die Sonne untergeht und nichts als Kälte herrscht. Kälte und Kampfhandlungen, denn der von Sabine Stöhr und Juri Durkot so prägnant und packend aus dem Ukrainischen übersetzte und im Deutschen einfühlsam ausgelotete Roman Internat erzählt von einem fast vergessenen Krieg. Dem Krieg im äußersten Osten der Ukraine. Dass Zhadans großartiger Roman auch in der Übersetzung eine enorme Wucht entwickelt, liegt nicht nur am Sujet und der eigentümlichen, hyperwachen Stimmung, sondern auch an den kaskadenartigen Satzketten, die im Deutschen einen drängenden Erzählrhythmus erzeugen, und an der Sprache. In Sabine Stöhrs und Juri Durkots Übertragung entfalten die dichten Beschreibungen eine große Kraft. Lebendiger als in diesem Roman kann man vom Krieg nicht erzählen, lebendiger kann eine Übersetzung nicht sein. Sabine Stöhrs und Juri Durkots Schattierungen der Düsternis sind von großer Schönheit.

    Autor

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    Copyright: privat

    Die Übersetzerin Sabine Stöhr, Jahrgang 1968, und der Übersetzer, Publizist, Journalist und Produzent Juri Durkot, 1965 in Lwiw (Ukraine) geboren, übertrugen gemeinsam mehrere Werke von Serhij Zhadan ins Deutsche. Zusammen mit dem ukrainischen Autor erhielten sie 2014 den Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis für den Roman Die Erfindung des Jazz im Donbass.

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