Zur Sprachwahl
Zur Metanavigation
Zur Sucheingabe
Zur den Bannertabs
Zur Hauptnavigation
Zum Inhalt
Header Mobile Header

    Übersetzung

    Leseprobe

    Georg Aescht: übersetzte aus dem Rumänischen: "Der Wald der Gehenkten" von Liviu Rebreanu

    « zurück

    Unter dem grauen Herbsthimmel, der wie eine riesige Glocke aus Rauchglas alles überwölbte, reckte der neue, am Dorfrand errichtete Galgen seinen Arm mit dem Strang feindselig hinaus auf das schwarze Feld, aus dem hier und da kupferrote Bäume emporstachen. Unter der Aufsicht eines gedrungenen dunkelhäutigen Gefreiten und unterstützt von einem Bauern mit bartstoppligem geröteten Gesicht hoben zwei alte Soldaten das Grab aus, wobei sie häufig in die Hände spuckten und bei jedem Krampenschlag vor Mühsal ächzten. Aus der Wunde in der Erde förderten die Totengräber klebrigen gelben Lehm zutage.

    Der Gefreite zwirbelte seinen Schnurrbart und spähte abschätzig in die Runde. Zwar suchte er sein Missfallen zu verhehlen, aber der Ausblick widerte ihn an. Zur Rechten lag der Soldatenfriedhof, mit Stacheldraht eingezäunt, die Gräber mit frischen, einheitlich weißen Kreuzen ausgerichtet wie zur Parade. Wenige Schritte weiter links lag der Dorffriedhof, von Dornensträuchern gesäumt, mit wenigen krummen, verwitterten Kreuzen, ohne Tor, als wäre seit langem kein Toter mehr dorthin gekommen und sollte auch keiner mehr kommen … Das Dorf Zirin, wo die Infanteriedivision im Quartier lag, duckte sich unter Rauch- und Nebelschwaden, aus denen gerade noch etliche entlaubte Bäume scheu ihre weitverzweigten Kronen reckten und ein paar Strohdächer sowie der von einer Granate gespaltene Kirchturm ragten. Nach Norden hin sah man die Ruine des Bahnhofs und die Bahnlinie, deren Damm sich scheinbar ohne Anfang und Ende vor den Horizont schob.

    Impressum| Datenschutz| Leipziger Messe GmbH, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig. © Leipziger Messe 2019. Alle Rechte vorbehalten