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    Übersetzung

    Leseprobe

    Timea Tankó übersetzte aus dem Ungarischen: "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" von Miklós Szentkuthy
    (Die Andere Bibliothek)

    »Ging ich in Maske aus« – das ist der logische Höhepunkt der Zivilisation als Widerspruchsbejahung. Diese Kultur ist eine Maskenkultur, die Wirklichkeit des 18. Jahrhunderts ist die Wirklichkeit der Maske. Unter »Psychologie« verstehen wir hier die Missverständnisse, zu denen die Maske führt, die Spielereien des Quiproquo; auch die Sinnlichkeit erlangt erst durch das Maskengeheimnis ihre wahre Größe. Hinter der Maske lauert Nihilismus – die Maske hat ein ähnliches Tragödienpotential wie Venedig, allein dadurch, dass es Venedig ist.

    Selbst bei Sophokles oder Shakespeare findet man keine solch tragische Sentenz wie hier bei Casanova: Ich ging in Maske aus. In bunter Maske? Schwarzer? In einer mit langer, gebogener Ungetümnase oder in einer schlichten Halbmaske? Das Leben ist nur in Maske zu ertragen – hier nutzt die Zivilisation mit einer verwegenen Geste das höchste aller Spiele aus, die sich aus ihrem inneren Widerspruch ergeben, zugleich ist aber auch ihre Sehnsucht nach der Nichtzivilisation ganz ungeheuerlich.

    Der maskierte Kopf ist ein Totenkopf. In dieser Maske präludieren die wenigen abenteuerlichen Mitternachtsmomente, die in Casanovas Memoiren vorkommen: Wenn er sich an einem seiner Feinde rächt; wenn der Senator in der Gondel in Ohnmacht fällt; wenn Casanova mit seinen Musikerfreunden Marmortische auf klingende Steinplätze wirft und die Sturmglocken läutet.

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