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Preis der Leipziger Buchmesse

Seit dem Jahr 2005 wird jeweils am ersten Buchmessetag in der Glashalle - mitten im Messetrubel - der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Auszeichnung, welche mit insgesamt 45.000 Euro dotiert ist, wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. Anspruch der Jury ist es, herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen zu ehren, womit der Preis unmittelbar an das Konzept der Leipziger Buchmesse als Forum für Autoren und Literaturvermittlung anschließt. Unterstützt wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).

Rückblick:

"Preis der Leipziger Buchmesse" 2008 geht an Fritz Vogelgsang, Irina Liebmann und Clemens Meyer.

Heute, am 13. März 2008, wurde in der Glashalle des Leipziger Messegeländes der "Preis der Leipziger Buchmesse" in den Kategorien "Belletristik", "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung" verliehen.

Die Jury unter Vorsitz von Ulrich Greiner (DIE ZEIT) entschied sich unter den 15 nominierten Kandidaten für folgende Autoren:

Kategorie Übersetzung: Fritz Vogelgsang für seine Übertragung und Edition von Joannot Martorells "Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc" (S. Fischer Verlag)

Zur Begründung: Ausgezeichnet wird mit dem Preis Vogelgsangs jahrzehntelanger Einsatz für ein Werk, das in der altkatalanischen Sprache des Königreichs Valencia 1490 erschien und nun erstmals vollständig dem deutschsprachigen Leser vorliegt. Das Großepos, das auf 1.600 Seiten die abenteuerliche Reise des weißen Ritters und seinen Kampf für die Befreiung Konstantinopels schildert, bezeichnete Cervantes "als, aufgrund seines Stils, besten Roman der Welt". Vogelgsang hat Martorells Altkatalanisch in eine elegante und mustergültig moderne deutsche Sprachform gebracht. In seinem Text kommt das Farbige, Unterhaltsame, Spannende dieses ersten realistischen Romans perfekt zur Geltung.

Kategorie Sachbuch/Essayistik: Irina Liebmann für "Wäre es schön? Es wäre schön. Mein Vater Rudolf Herrnstadt" (Berlin Verlag)

Zur Begründung: Die Jury ehrt mit ihrer Entscheidung ein Werk, das auf unglaublich eindringliche Weise Familiengeschichte als Weltgeschichte darzustellen vermag. Irina Liebmanns Buch über ihren Vater Rudolf Herrnstadt ist der fast unglaubliche Lebensbericht eines Mannes, der die Welt neu erfinden wollte. Der, so will es beinahe scheinen, bei allen Kämpfen, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gekämpft wurden, mitgekämpft hat. Der von der Geschichte alles erhoffte und am Ende alles verlor. Der irrte und glaubte, seinen Überzeugungen folgte, auch wenn sie ihn mitunter auf Abwege führte. "Glaubst du wirklich," hat er seine Tochter auf einem Spaziergang kurz vor seinem Tode einmal gefragt, " wenn man zum ersten Mal in der Weltgeschichte alles, alles neu macht, und man hat es nicht gelernt und keine Erfahrungen, glaubst du nicht, dass man erst einmal alles, alles falsch machen wird?" Die Irrtümer und der Glaube, die Schrecken und die Hoffnungen eines ganzen Zeitalters lässt Irina Liebmann mit der Lebensgeschichte ihres Vaters vor unseren Augen auferstehen.

Kategorie Belletristik: Clemens Meyer für "Die Nacht, die Lichter" (S. Fischer Verlag)

Ausgezeichnet wird ein Buch, das in bewundernswerter Knappheit und sprachlicher Eleganz menschliche Hoffnungen auslotet, und das vor dem Hintergrund ihrer radikalen Unerfüllbarkeit. "Die Nacht, die Lichter" des Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer versammelt 15 "Stories", in denen sich der Stoff von 15 Romanen verbirgt; kreisend um Figuren nicht nur vom Rand der Gesellschaft, aber allesamt im Absturz begriffen, jeder in seiner Einsamkeit getrieben von einer unerklärten Drift zum Scheitern. Todestrieb und Menschenliebe gehen in dieser Prosa ein geheimnisvolles Bündnis ein. Da wäre der fettsüchtige Lehrer, der sich in einer verpönten Liebe zu einem elfjährigen Mädchen verzehrt; der alte Mann, der seine Tiere begräbt, bevor er sich selbst verabschiedet; oder der Ex-Geschäftsmann, der in einem surrealistischen Delirium krepiert: Die gefährliche Poesie des Fatalismus seiner traurigen Helden entschlüsselt der Autor mit wagemutiger Empathie und großer Sanftheit.

Hintergrund

Der "Preis der Leipziger Buchmesse" wurde in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Insgesamt reichten die Verlage über 750 Vorschläge ein. Ulrich Greiner, schon im vergangenen Jahr als Jurymitglied an der Preisvergabe beteiligt, übernahm 2008 den Vorsitz des siebenköpfigen Gremiums. Erstmals beteiligten sich Dr. Ina Hartwig, verantwortliche Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau, Elmar Krekeler, Leiter der Literarischen WELT, Kristina Maidt-Zinke, Feuilleton-Autorin der Süddeutschen Zeitung, und Volker Weidermann, Redaktionsleiter Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, am Jurorenteam. Zu den bereits bekannten Gesichtern zählten - neben Ulrich Greiner - Michael Hametner, Literaturredakteur beim MDR, sowie Uwe Justus Wenzel, Feuilleton-Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung. Die Auszeichnung der besten Frühjahrs-Bücher in den Kategorien "Belletristik", "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung" ist zu gleichen Teilen mit insgesamt 45.000 Euro dotiert. Unterstützt wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" durch den Freistaat Sachsen sowie die Stadt Leipzig. Partner ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).


Nominiert waren:

Kategorie Übersetzung

  • Elisabeth Edl: Stendhal: Die Kartause von Parma (Carl Hanser Verlag)
  • Frank Heibert: Richard Ford: Die Lage des Landes (Berlin Verlag)
  • Gabriele Leupold: Warlam Schalamow: Durch den Schnee. Erzählungen aus Kolyma 1 (Matthes & Seitz Berlin)
  • Kurt Steinmann: Homer: Die Odyssee (Manesse)
  • Fritz Vogelgsang: Joanot Martorell: Der Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc (S. Fischer Verlag)
Kategorie Sachbuch/ Essayistik
  • Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam (Hamburger Edition)
  • Thomas Karlauf: Stefan George. Die Entdeckung des Charisma (Karl Blessing Verlag)
  • Irina Liebmann: Wäre es schön? Es wäre schön! Mein Vater Rudolf Herrnstadt (Berlin Verlag)
  • Michael Maar: Solus Rex. Die schöne böse Welt des Vladimir Nabokov (Berlin Verlag)
  • Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne (Hamburger Edition)
Kategorie Belletristik
  • Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (Eichborn Berlin)
  • Sherko Fatah: Das dunkle Schiff (Jung und Jung)
  • Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)
  • Ulrich Peltzer: Teil der Lösung (Ammann Verlag)
  • Feridun Zaimoglu: Liebesbrand (Verlag Kiepenheuer & Witsch)

Ansprechpartner für die Presse:
Susanne Tenzler-Heusler
Tel.: +49 (0) 341 / 6 78 81-84
Fax: +49 (0) 341 / 6 78 81-82
E-Mail: s.tenzler-heusler@leipziger-messe.de

Ansprechpartner für Aussteller:
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse
Tel.: +49 (0) 341 / 678 82-41
Fax: +49 (0) 341 / 678 82-42
E-Mail: info@leipziger-buchmesse.de

Ansprechpartner der Jury:
Ulrich Greiner
Tel.: +49 (0) 40 / 32 80 386
E-Mail: greiner@zeit.de

Internet:
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