Die Preisträger zum Reinhören www.literaturport.de

Nominierung


in der Kategorie Sachbuch/Essayistik

Irina Liebmann
„Wäre es schön? Es wäre schön!
Mein Vater Rudolf Herrnstadt“
Er war leidenschaftlich und ironisch, humorvoll und radikal, einer der glänzendsten Journalisten, die Deutschland hatte, aber er wollte mehr. Er stellte sich in den Dienst einer ehrgeizigen Aufgabe: eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder Einzelne seine Fähigkeiten entfalten kann. Mit dieser Vision musste er tragisch scheitern. Wäre es schön? Es wäre schön!“ ist die Biographie eines rastlos engagierten
Menschen, dessen Anliegen es war, das aktuelle Weltgeschehen begreifbar
zu machen, den Krieg zu beenden und in Deutschland einen Neuanfang zu wagen.
Rudolf Herrnstadt (1903—1966) war der sprachgewaltige und bekannteste
Pressemann der frühen DDR, bevor er aus der SED ausgestoßen und in die Provinz
verbannt wurde. Aus einer bürgerlichen jüdischen Familie im oberschlesischen
Industrierevier stammend, hatte er den aufziehenden Faschismus früh erkannt und
beschlossen, nicht zu fliehen, sondern gegen ihn zu kämpfen. Er wurde Kommunist, verzichtete auf eine persönliche Karriere und ließ sich stattdessen von seiner Partei dort einsetzen, wo er gebraucht wurde. Der Bogen seines Lebens wie auch seiner Schriften führt von Berlin über Prag und Warschau nach Moskau und wieder zurück nach Berlin, wo er im Mai 1945 mit der Roten Armee eintrifft und die ersten Zeitungen Berlins mit aufbaut, dann die Presse der sowjetisch besetzten Zone. In der frühen DDR wird er die Parteizeitung leiten,
ihre Propaganda offensiv vertreten, aber seine Position auch immer nutzen, um Neues in Gang zu bringen. Er wird der Erste sein, der öffentlich nach mehr Demokratie ruft und einen achtungsvollen Umgang mit den Menschen fordert. 1953 wird er als „Feind der Partei“ aus der SED ausgeschlossen und seitdem totgeschwiegen. Das Buch belegt die Spannweite dieses Lebens — vom Warschau der Vorkriegszeit bis zum Trümmerfeld von Berlin, von Moskau im Krieg bis zum Bau der Stalinallee. Irina Liebmann entdeckt ihren Vater als Akteur der Zeitgeschichte, geprägt von Faschismus und Krieg und der Hingabe für die Sache des Kommunismus, die tragisch endete.
Foto: Isolde Ohlbaum

Geboren 1943 in Moskau, übersiedelte Irina Liebmann 1945 mit den Eltern in das zerstörte Berlin. Sie studierte Sinologie in Leipzig. 1966-75 war sie Redakteurin der Zeitschrift Deutsche
Außenpolitik“. Seit 1975 lebt sie als freie Schriftstellerin in Ost-, seit 1988 in Westberlin. Berühmt wurde die Autorin mit ihren literarischen Reportagen, vor allem dem Berliner Mietshaus“ (1982). Es folgten u.a. der ErzählungsbandMitten im Krieg“ (1989), das Reisebuch Letzten Sommer in Deutschland“ (1997) und der Roman Die freien Frauen (2004). Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, u. a. den aspekte-Literaturpreis (1989) und den Berliner Literaturpreis (1998).

Pressekontakt:
Berlin Verlag
Herr Carsten Sommerfeldt
Greifswalder Straße 207, D 10405 Berlin
Telefon: +49 (0)30–44384525
E-Mail: c.sommerfeldt@berlinverlag.de
© Leipziger Messe GmbH 2008