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    Übersetzung

    Leseprobe

    Andreas Tretner: übersetzte aus dem Bulgarischen: "Die Sanftmütigen" von Angel Igov
    (eta Verlag)

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    Ein junger Mann stand im dicken, schwer nach Kohle riechenden Februarnebel auf der Brücke beim Jučbunarer Badehaus, mit einem Heft in der Hand; eine Seite nach der anderen riss er heraus und warf sie hinab in den Fluss. Als auch die letzte von der Strömung davongetragen war, schien er kurz zu zögern, dann gab er sich einen Ruck, riss auch den Einband des Heftes in Stücke und schleuderte sie ins Wasser, dessen Schwärze hie und da von blinkenden Eisplättchen durchzogen war. Ohne hinabzusehen, drehte der Mann sich um und lenkte seine Schritte in Richtung Stadtzentrum. Es gab um diese Nachtzeit hier sonst keine Passanten; die Straßen waren verschneit und menschenleer. Höchstens schlug einmal ein Hofhund in einer der Seitengassen an. Der helle Atem der elektrischen Laternen auf der Pirotska vermochte den Nebel nicht zu durchdringen, wie zerlumpte Heiligenscheine klebte das Licht an den Masten. Die Schritte des Mannes knirschten über den festgetrampelten, von Ruß und Schlacke geschwärzten Schnee. Niemand war in der Nähe. Doch selbst wenn ihm einer seiner Mitmenschen aus dem Viertel entgegengekommen wäre – keiner hätte ihn gleich erkannt.
    Das warst nämlich du.
    Wir kannten dich gut, Emil Strezov, über Monate und Jahre haben wir jeden deiner Schritte verfolgt, und auch wenn wir dich damals nicht auf der Brücke haben stehen sehen – selbst im Schlaf wussten wir, dass du dort bist.

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