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    Preisträger:innen 2021

    Preisträgerin in der Kategorie Sachbuch/Essayistik

    Heike Behrend: "Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung"

    (Matthes & Seitz Berlin)

    Über das Buch

    Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung

    ›Affe‹ und ›Kannibalin‹ nannten Frauen und Männer in Kenia und Uganda die Ethnologin, die Ende der 1970er-Jahre zu ihnen kam, um sie zu erforschen. Statt diese wenig schmeichelhaften Namen zurückzuweisen, stellt Heike Behrend sie ins Zentrum ihrer Autobiografie: Sie selbst wird zum gründlich beobachteten Objekt der Ethnografierten und fragt nach der Wahrheit, der Kritik und der kolonialen Geschichte, die sich mit diesen fremden Namen verbinden. Das Ergebnis ist ein packender Forschungsbericht, der von Afrika, das lange als das ›wilde Andere‹ galt, als einem Ort voller Nuancen erzählt – und von einer Menschwerdung in wechselseitiger Spiegelung.

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    Zur Begründung der Jury

    Nur wer sich selbst für die Welt öffnet, wird auch in ihr heimisch werden. Diese Erfahrung ist das zentrale Moment des Buchs von Heike Behrend. Die eigene Neugier der Ethnologin stieß während ihrer Feldforschungsaufenthalte auf die der besuchten Gruppen und sie selbst wurde zum Gegenstand der Beobachtung durch ihre Gastgeber. Es gehört viel Selbsterkenntnis dazu, sich erkannt zu fühlen. „Menschwerdung eines Affen“, benannt nach der sich wandelnden Zuschreibung, die man ihr in den kenianischen Tugenbergen als Forscherin, die dort zur Freundin wurde, angedeihen ließ, legt Zeugnis davon ab, dass Heike Behrend diese Befähigung besitzt. Und mit ihrer Betrachtung der Betrachter ihrer selbst als Betrachterin gewinnt sie auch eine Perspektive auf die eigene Kultur – sowohl verstanden als nationale wie als disziplinäre. Geisteswissenschaft in der Form, wie Heike Behrend sie teilnehmend beschreibt, ist im besten Sinne Geistesbeschwörung: Sie provoziert zu einem Blick, der intellektuell agiert statt visuell. Ihr Buch ist eine ebenso köstliche wie kostbare Lektüre, die unsere Horizonte weit verschiebt, ohne dabei eine politische Agenda vermitteln zu wollen. Es ist geboren und geschrieben aus der Emphase für die Gemeinsamkeit dessen, was Menschsein ausmacht: die Überwindung von Vorurteilen. Solchen seiner selbst über andere und solchen anderer über einen selbst. Es ist ein erhellendes Buch in diesen sich verdunkelnden Zeiten.

    Autorin

    Heike Behrend: MSB Verlag
    Foto: Anita Back

    Heike Behrend studierte Ethnologie und Religionswissenschaft. Sie arbeitete ethnografisch vor allem in Ostafrika und unterrichtete an verschiedenen Universitäten. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze, u. a. ALICE UND DIE GEISTER. KRIEG IM NORDEN UGANDAS (Trickster, 1993) und CONTESTING VISIBILITY. PHOTOGRAPHIC PRACTICES AND THE „AESTHETICS OF WITHDRAWAL“ ALONG THE EAST AFRICAN COAST (transcript, 2013).

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