BELLETRISTIK
Anja Kampmann: „Die Wut ist ein heller Stern“ (Hanser Verlag)
Über das Buch
Schauplatz des Romans von Anja Kampmann ist das Alkazar, in den 1930er-Jahren ein berühmtes Varieté auf der Hamburger Reeperbahn. Hier scheint sich für Hedda ein Traum zu erfüllen: Sie steht im beleuchteten Saal auf der Bühne, sichtbar und begehrt. Doch das Glück währt nicht lange. In einer Welt, in der Frauen austauschbar sind und Träume nur geduldet werden, solange sie gefallen, wird Heddas Platz zunehmend unsicher. Die Bühne, einst Verheißung von Freiheit und Selbstbestimmung, entpuppt sich als Ort der Abhängigkeit. „Die Träume zerplatzen am Gaumen, es prickelt noch kurz, dann ist es vorbei.“ Der Roman erzählt von Glanz und Elend, von Verführung und Ernüchterung und von einer Frau, die im nationalsozialistischen Deutschland zwischen Hoffnung und Ausgeliefertsein um ihre Würde kämpft.
Begründung der Jury
Es sind schleichende Verschiebungen, durch die ein rotes Hamburg braun wird. In herausragender sprachlicher Genauigkeit und atmosphärischer Dichte erzählt Anja Kampmann von der prekären Existenz einer Varieté-Tänzerin in den frühen Jahren des nationalsozialistischen Deutschlands und schwindenden Schutzräumen für alle, die in diesem Deutschland keinen Platz haben sollten. Ein Roman wie ein heller Stern.
Über die Autorin
Anja Kampmann, 1983 geboren, studierte an der Universität Hamburg und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie debütierte mit einem Gedichtband. 2018 erschien ihr erster Roman Wie hoch die Wasser steigen (Hanser), der für den Preis der Leipziger Buchmesse sowie den Deutschen Buchpreis nominiert und Finalist für den National Book Award in den USA war. 2024 erschien ihr zweiter Gedichtband Der Hund ist immer hungrig (2021), der mit dem Günter Kunert Literaturpreis für Lyrik ausgezeichnet wurde. Für ihr Werk erhielt sie 2024 den Marie Luise Kaschnitz-Preis.