BELLETRISTIK
Elli Unruh: „Fische im Trüben“ (TRANSIT)
Über das Buch
Fische im Trüben erzählt vom rauen Leben einer kleinen mennonitischen Gemeinde in Kasachstan. Einst von Katharina der Großen ins Zarenreich geholt, um landwirtschaftliche Kolonien zu gründen, lebt die Gemeinschaft in einer Landschaft von herber Schönheit: zwischen weiten Steppen und dem Panorama des Tian-Shan-Gebirges, geprägt von extremen Temperaturunterschieden, die Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen fordern. In der Sowjetzeit wird das Wenige, das die Familien besitzen, beschlagnahmt, ihr Leben von Mangel, Repression und Angst bestimmt. Im politischen Tauwetter der späten Sowjetunion nehmen viele von ihnen die Chance wahr, nach Deutschland auszureisen. Aus dieser Erfahrung heraus beschwört Elli Unruh eine kraftvolle, sinnliche Sprache, die sich auch des Plautdietschen und Russischen bedient.
Begründung der Jury
Gehen oder bleiben, sprechen oder so lange schweigen, bis keine Zeit für einen Abschied bleibt? Elli Unruh erzählt klug, ergreifend und ohne jede Romantik von einer besonderen Kultur und findet dafür eine unerhörte Sprache, die alles zusammenfügt, was der Roman vor unseren Augen ausbreitet. Damit erschließt sie uns eine Welt, die fremd und mittlerweile versunken ist. Im Roman leuchtet sie in einer lebenssatten Frische, die ihresgleichen sucht.
Über die Autorin
Elli Unruh, 1987 in Georgijewka (Kasachstan) geboren, wuchs in Süddeutschland auf. Sie arbeitet im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Fische im Trüben ist ihr erster Roman, für den sie eine Förderung der Kunststiftung sowie des Förderkreises für Schriftsteller:innen in Baden-Württemberg erhielt. Sie lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.