SACHBUCH / ESSAYISTIK
Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ (C.H. Beck)
Über das Buch
Die Flucht vor dem NS-Regime war ein Wettlauf gegen Bürokratie, Grenzen und Gewalt. Zwischen 1933 und 1941 flohen Menschen zunächst in angrenzende Nachbarländer wie die Tschechoslowakei, nach Frankreich oder in die Niederlande, später auch nach Skandinavien. Andere suchten überseeische Zuflucht in Lateinamerika, in Palästina oder in den USA. Bekannt sind die Ost- und Südrouten ebenso wie die lebensgefährlichen Etappen über die Alpen oder die Pyrenäen. Weniger bekannt ist die Flucht auf den Balkan. Der Theaterstar Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor, der Maler Richard Ziegler und viele andere – sie alle flohen vor Hitler nach Südosteuropa und fanden dort Unterschlupf. Marie-Janine Calic ruft sie in Erinnerung und erzählt berührende und oft auch tragische Geschichten von Mut und Menschlichkeit, von Elend und Verrat, von Rettung und Untergang.
Begründung der Jury
Südwesteuropa ist bislang in der Exilforschung kaum beachtet – Marie-Janine Calic schließt eine Lücke mit diesem eindrucksvollen Werk. In ihrer enormen und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale, erschließt politisch-historische Zusammenhänge und zeigt den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs.
Über die Autorin
Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie war als Politische Beraterin u. a. am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag tätig. Unter ihren zahlreichen Publikationen sind u. a. die Monographien Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region (C.H.Beck, 2016) und Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert (C.H.Beck, 2010).