SACHBUCH / ESSAYISTIK
Ines Geipel: „Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung“ (S. Fischer)
Über das Buch
In Landschaft ohne Zeugen widmet sich Ines Geipel der Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald. Im Zentrum steht ein bislang wenig beleuchteter Zeitraum: die Tage der Befreiung im Frühjahr 1945. Geipel untersucht, was in diesem historischen Übergangsmoment tatsächlich geschah und welche Narrative sich im Nachhinein darübergelegt haben. Mit großer analytischer Schärfe legt sie die Legenden frei, die sich bis heute in persönlichen Erinnerungen und im kollektiven Gedächtnis halten. Dabei verbindet sie historische Recherche mit autobiografischer Reflexion und stellt grundlegende Fragen nach Erinnerungskultur, Verantwortung und den Bedingungen des Erzählens von Geschichte. Erschreckend aktuell zeigt sich, wie umkämpft Vergangenheit bleibt – und wie sehr ihre Deutung unsere Gegenwart prägt.
Begründung der Jury
Auf allen Ebenen bricht Ines Geipel hier den „Gedächtnisbeton“ auf: Durch das Ringen um Wörter im sprachlichen, das Hinterfragen von Narrativen im inhaltlichen sowie das Nebeneinander von eigenem Text und Quellen im formalen Bereich. Damit wird die hochaktuelle Frage nach Kulturen des Erinnerns und Verschweigens mit einem Fokus auf Ostdeutschland gestellt, ohne weitere Kontexte aus den Augen zu verlieren.
Über die Autorin
Ines Geipel ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Das zentrale Thema ihrer Arbeit als Autorin und Herausgeberin ist die deutsche Gewaltgeschichte sowohl des Nationalsozialismus als auch der DDR-Diktatur. Zuletzt erschien Fabelland. Der Osten, der Westen, der Zorn und das Glück (S. Fischer, 2024). Sie erhielt u. a. den Marieluise-Fleißer-Preis und den Erich-Loest-Preis.