ÜBERSETZUNG
Aus dem Ungarischen von Timea Tankó
András Visky: „Die Aussiedlung“ (Suhrkamp)
Über das Buch
Ein ungarischstämmiger Pfarrer wird im Rumänien der Fünfzigerjahre zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und inhaftiert, seine Frau mit den sieben Kindern in die ostrumänische Steppe gebracht. Sie richten sich in Erdhöhlen ein und in verlassenen Dörfern, beaufsichtigt von den Behörden. Viele Jahre später erinnert sich der jüngste Sohn András an das Grauen jener Jahre. In seinem Roman behält der Autor dessen kindliche Perspektive bei und findet einen gleichmütigen, zuweilen heiteren Ton, leuchtende Bilder und die Form: 822 durchnummerierte Minikapitel, die Atemzügen gleichen. Viskys Roman Die Aussiedlung bezeugt den Kampf ums Überleben, beschreibt aber auch den inneren Weg der Unabhängigkeit einer Familie. Timea Tankó bewahrt in der Übersetzung die Mischung unterschiedlicher Sprachebenen mit staunenswerter Selbstverständlichkeit.
Begründung der Jury
In größter Gefahr findet die Familie Halt in der gemeinsamen Sprache, die das heimische Ungarisch mit dem fremden Rumänisch und den Versen der Bibel verbindet. Eine Herausforderung für jede Übersetzung. Timea Tankó bewältigt diese Aufgabe glänzend. Sie bewahrt die besondere Gestalt dieser Sprache und erschafft die kindliche Perspektive des erinnernden Erzählers so glaubhaft neu, dass sich die bedrückende Erfahrung ebenso überträgt wie die Hoffnung auf Erlösung.
Über die Übersetzerin
Timea Tankó studierte in Leipzig Kulturwissenschaften und Übersetzung. Sie übersetzt ungarische Literatur ins Deutsche, u. a. Antal Szerb und István Kemény. 2019 wurde Timea Tankó für die Übersetzung des Romans Löwenchor von György Dragomán für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Für ihre Übersetzung Apropos Casanova von Miklós Szentkuthy erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse.